home · filmkritik nr.9 unterwegs mit jungs (riding in cars with boys)
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{Unterwegs mit Jungs} Die Lebensgeschichte von Beverly, die mit 15 Mutter wird. Keine leichte Ausgangssituation im prüden Umfeld einer US–amerikanischen Kleinstadt der Sechziger Jahre. Dass sich die intelligente und talentierte Beverly gerade Ray (Steve Zahn) als Vater ihres Kindes ausgesucht hat, macht das Ganze nicht einfacher.

Ray ist nicht nur ein wenig unterbelichtet. Nachdem Beverly den Vater ihres Kindes nicht ganz freiwillig geheiratet hat, verfällt dieser auch noch der Drogensucht. Dennoch realisiert Beverly zu guter Letzt ihren großen Traum, Schriftstellerin zu werden.

Wer ein bisschen Ahnung vom Leben hat oder wer zumindest im Alter von 12 Jahren regelmäßig die Bildgeschichten in den Bravo–Heften gelesen hat, dem kann der Film nichts Neues erzählen.

Was den Film interessant macht, ist die Widersprüchlichkeit, mit der er sich dem europäischen Betrachter präsentiert.

Der Film glänzt mit „emotional truth”. Die Psychologie, wie Beverly die konservative Enge des eigenen Elternhauses unbewußt an ihren Sohn weiter gibt, stimmt ebenso wie die erfreulich komplexe Charakterisierung der Figuren. Gar nicht hollywood–like vermischen sich bei der Heldin sympathische Züge mit sehr fragwürdigen Eigenschaften.

Auf das gefürchtete, schwere Pathos anderer Beziehungsdramen verzichtet der Film weitgehend. Stellenweise arbeitet die Regisseurin Penny Marshal die Story nach einer autobiografischen Buchvorlage sehr ironisch auf.

Andererseits, wie sich die Drehbuchautorin Morgan Ward mit einem tiefen Griff in die Klischee–Kiste dem Happy–End nähert, kommt schon etwas seltsam rüber.

Erst baut der Film den Konflikt zwischen Beverly und ihrem Vater (James Woods) als so gewichtig und tiefsitzend auf, dass man denkt, ganze Generationen von Pychotherapeuten könnten sich damit eine goldene Nase verdienen. Dann lässt Marschall die beiden einfach ein Lied zusammen singen und alle Probleme sind gelöst.

Aber vielleicht ist, was wie ein Klischee anmutet, in Wahrheit ein realer kultureller Unterschied: Bei uns betrinkt man sich beim Heurigen, um das eine oder andere seelische Problem zu regulieren. In den USA trällert man ein Liedchen und fällt sich versöhnlich um den Hals.

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